|
In diesen Tagen
denken historisch gebildete Zeitgenossen über die Antrittsrede des neuen Bundespräsidenten vom 23. März 2012 im deutschen Bundestag nach. Der erste Mann des Staates war mit vielen Vorschußlorbeeren und großen Erwartungen begrüßt worden. Die Enttäuschung über den tatsächlichen Inhalt der von der politischen Klasse und der Presse überwiegend positiv aufgenommenen Rede ist bei kritischen Beobachtern des Zeitgeschehens sehr groß. Nachfolgend dazu ein Beitrag von katholischer Seite.*
Bundespräsident Gauck deutet Geschichte um
Auffallend in der ersten Rede des neuen Bundespräsidenten Joachim Gauck war die Bemerkung über die „68er“. Hier muß nochmals aufgrund von Zuschriften dazu Stellung genommen werden.
- Nach dem 2. Weltkrieg hat die Generation derer, die von der NS-Ideologie irregeführt wurden und mißbraucht wurden, bewußt einen Neuanfang im Sinne der Verantwortung vor Gott (s. Präambel des Grundgesetzes) und der Verantwortung für die Menschen gesetzt (vgl. Grundrechte Artikel 1 ff GG). Die Deutschen hatten aus der Unterjochung durch den NS-Staat gelernt, daß jede Diktatur die Menschenwürde verletzt und jede Gesellschaft auf äußerste gefährdet ist, wenn eine Gesellschaftsordnung ohne Gott geschaffen werden soll. Bis weit in die 50er Jahre waren die Gottesdienste gut besucht. Das Vaticanum II formuliert 1965, daß die katholische Kirche und damit diejenigen, die sich mit ihr identifizieren, durchaus nichts verdrängt haben: „Die Kirche verwirft jede Diskriminierung eines Menschen oder jeden Gewaltakt gegen ihn um seiner Rasse oder Farbe, seines Standes oder seiner Religion willen, weil dies dem Geist Christi widerspricht“ (Nostra aetate 5). Was aber die von Bundespräsident Gauck der Vorkriegs- und Kriegsgeneration des Deutschen Volkes aufgebürdete Kollektivschuld angeht, so können wir auf das Wort der Deutschen Bischöfe in Fulda 1945 zurückgreifen: „Es ist eine Forderung der Gerechtigkeit, daß immer und überall die Schuld von Fall zu Fall geprüft wird, damit nicht Unschuldige mit den Schuldigen leiden müssen. Dafür sind wir Bischöfe von Anfang an eingetreten und dafür werden wir uns auch in Zukunft einsetzen.“
- Bundespräsident Joachim Gauck beschönigt den Zeitgeist der 68er, indem er ihre „Irrwege“, die die gesamte Gesellschaft durchsetzten und das die Menschen schützende Wertesystem zerstörten, verniedlicht. Wenn er glaubt, die 68er hätten „die historische Schuld ins kollektive Bewußtsein“ gerückt und dies als „mühsam errungenen Segen“ bezeichnet, mag es seine persönliche Wahrnehmung aus DDR-Zeiten sein. Die Darstellung in einem deutschen Geschichtsbuch (Geschichte für Gymnasien 13, Oldenbourg Verlag 1994) kann ihn dahingehend belehren, daß die 68er ganz erheblichen Einfluß hatten auf den Wertewandel, in dessen Folge das Lebensrecht (Art. 1 ff GG) im Mutterleib zur Disposition gestellt wurde, Ehe und Familie (Art. 6 GG) herabgesetzt und die öffentliche Meinung (Art. 5) medial ideologisiert wurde.
Joachim Gaucks erste Rede als Bundespräsident enthält folgende Passage mit Schuldzuweisungen an die Elterngeneration und Belobigung der 68er: „Die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte in dieser Zeit blieb allerdings defizitär. Die Verdrängung eigener Schuld, die fehlende Empathie mit den Opfern des Naziregimes prägten den damaligen Zeitgeist. Erst die 68er-Generation hat das nachhaltig geändert. Damals war meine Generation konfrontiert mit dem tiefschwarzen Loch der deutschen Geschichte, als die Generation unserer Eltern sich mit Hybris, Mord und Krieg gegen unsere Nachbarn im Inneren wie im Äußeren vergingen. Es war und blieb das Verdienst dieser Generation, der 68er: Es war ein mühsam errungener Segen, sich neu, anders und tiefer erinnern zu können. Trotz aller Irrwege, die sich mit dem Aufbegehren der 68er auch verbunden haben, hat sie die historische Schuld ins kollektive Bewußtsein gerückt.“
In einem Geschichtsbuch des 13. Jahrgangs am Gymnasium liest sich die Bewertung der 68er anders (Geschichte für Gymnasien 13, S. 155160: Thema: Die unruhigen Jahre der Bundesrepublik Deutschland, Gesellschaftskritik und Lebensformen). Die Studenten versuchten durch Demonstrationen, wie „go-ins“, „sitins“, „teach-ins“, und mit Flugblättern die Öffentlichkeit aufmerksam zu machen. Sie forderten nicht nur eine Reform der Universität, sondern auch die Umgestaltung der Gesellschaftsordnung. Die Studentenbewegung zog gegen das „establishment“, die Gesellschaftsordnung der Adenauer-Zeit und die damit verbundenen Lebensformen der Bürgerlichkeit zu Felde.
Grundsätzlich wurden alle Autoritäten in Elternhaus, Schule, Staat und Kirche in Frage gestellt. Grundlage der Gesellschaftskritik waren die marxistische Theorie, der Existentialismus und die Tiefenpsychologie Freuds. Entscheidenden Einfluß hatte die „Frankfurter Schule“, deren Hauptvertreter der Philosophieprofessor Herbert Marcuse und die Soziologen Theodor W Adorno und Max Horkheimer waren. Sie bestimmten die Ideologie der „Neuen Linken“ ... Sie kritisierten die in ihren Augen unvollkommene Verwirklichung der demokratischen Normen des Grundgesetzes und die traditionellen Autoritäten des „Establishment“ und forderten eine radikale Demokratisierung aller Gesellschaftsbereiche Weiterhin proklamierten sie die Idee von der souveränen Selbstbestimmung des einzelnen sowie die Aufhebung traditioneller Tabus, u. a. in der Familienstruktur, bei Erziehungsfragen sowie im Sexualbereich. Für deren radikale Vertreter wurden neben dem Marxismus-Leninismus die Ideologie und das System der DDR sowie des Ostblocks, vor allem aber MaoZedong, Ho-ChiMinh, Che Guevara und Fidel Castro die Vorbilder. (Oldenbourg“ Geschichte für Gymnasien 13, 1. Aufl. 1994, S. 155;) Es kam zu einem Wertewandel, der sich in der Ablehnung der Wertewelt der Elterngeneration ausdrückte.
Grundpfeiler der Gesellschaft im politischen, gesellschaftlichen und privaten Bereich wurden in Frage gestellt ... Wertvorstellungen von der Ehe als verbindlicher Form des Zusammenlebens veränderten sich. Es kam zu neuen Formen des Zusammenlebens wie Ehe ohne Trauschein, Wohngemeinschaften etc.“ (ebda S. 157). - Daß die „Irrwege“ der 68er unseren Staat so durchsetzt haben, daß seine Zukunft gefährdet ist, könnte Gauck aufgrund demographischer Daten erkennen. Doch er hat sich wohl in seiner Lebensgeschichte dem Geist der 68er angepaßt.-
Anmerkung der SWG: Das deutsche Volk hat am 10. April 1932 Paul von Hindenburg (19,4 Mill.) und nicht Adolf Hitler (13,4 Mill.) zum Reichspräsidenten gewählt. Erst das am 24. März 1933 beschlossene Ermächtigungsgesetz öffnete den Weg zur Diktatur.
*O.a. Artikel aus: Informationen aus Kirche und Welt, 16 Jg. Nr. 05 Mai 2012 Herausgeber: Aktionsgemeinschaft IK-Augsburg Mitglied im Forum Deutscher Katholiken
|
|
Willkommen bei der Staats- und Wirtschaftspolitischen Gesellschaft e.V.
Was wir wollen: Die SWG wirbt für Werte der bürgerlichen Gesellschaft. Wer das tut, wird leicht verunglimpft. Wir regen an, bei Wikipedia unter dem Stichwort SWG diese Verunglimpfung nachzuschauen. Was wir dazu zu sagen haben, entnehmen Sie der Verknüpfung Hugo Wellems und die SWG Entnazifizierungsbescheid von Hugo Wellems Wäre die SWG links, nähme niemand Anstoß.
Was meinen wir mit bürgerlichen Werten? Zuerst fragen wir unsere Anfeinder: Was meint ihr denn mit euren Begriffen wie liberal, sozial oder mittig, sozial-liberal usw.? Zumeist ist ein Wortgeklingel die Antwort. Wir Bürgerlichen, oder auch Konservativen, wollen Antworten auf der Grundlage eines festen Standortes zu geben. Diesen suchen wir auf folgenden vier Säulen.
Erstens: Bürgerlich/Konservativ = Meinungs(verbreitungs)freiheit eines jeden auch gegen die Mehrheit. Wir wissen, dass Menschen die letzte Wahrheit nicht haben können. Fortschritt geschieht daher durch immer neue Entwürfe und Pläne, und zwar aller Menschen. Scheinbar unsinnige Gedanken haben sich oft als wohltätig herausgestellt. Wir fordern daher Freiheit, insbesondere Gedankenfreiheit, auch gegen die Mehrheit.
Zweitens: Konservativ = Rechtstaatlichkeit. Der Mensch ist im Guten und Bösen zu allem fähig. Mehrheiten schwanken, Massen sind verführbar. Bürger mit einer jeweils nicht mehrheitsfähigen oder den Mächtigen unbehaglichen Meinung sind auch bei uns oft gefährdet. Wir treten daher für den Rechtsstaat ein, in welchem Minderheiten vor Mehrheiten oder Mächtigen wirksam geschützt werden.
Drittens: Konservativ = Staatstreue. Der konservative Bürger weiß, dass Freiheit und Recht nur im Staat gesichert werden können. Patriotismus, für den wir werben, soll diese Seite des Staates stärken.
Staaten sind aber oft grausam, feige, sogar verbrecherisch. Konservative wollen vor dieser Seite des Staates warnen.
Viertens: Konservativ = Verantwortung für Mensch und Schöpfung. Wir Bürgerlichen bekämpfen sozialistische Weltverbesserei. Wir glauben aber auch nicht dass sich alles von selbst, etwa aus dem „Marktkräften“, ergeben wird. Man kann Zukunft nicht mit Ideologien und Algorithmen prognostizieren, man muss sie erkunden. Daher schaut der Konservative zurück, um aus Erfahrungen unserer Vorgänger zu lernen. Für falsch hält die SWG die Gleichung: Konservativ = christlich oder religiös. Wir glauben aber, dass wir (Staatsbürger, Völker und Staaten) vor Gott zur Rechenschaft gezogen werden.
Hieraus ergeben sich die folgenden Themenschwerpunkte unserer Arbeit :
Politische Willensbildung und Fremdbestimmung
- Deutscher Belange in Europa und der Welt
- Rechtsstaatlichkeit und Rechtsschutz
- Deutsche Geschichte
- Deutsche Kultur in der Welt
- Werte – und Wertewandel
Vermissen Sie einen Beitrag? schauen Sie bitte in unser Archiv!
Urheberrechtlicher Hinweis:
Texte auf dieser Netzseite stehen unter dem Schutz des Urhebergesetzes und sind geistiges Eigentum der SWG, der Verfasser und/oder anderer Rechtsinhaber.
Soweit Rechte der SWG betroffen sind, wird hiermit die widerrufliche Erlaubnis erteilt, Texte frei zu verwenden, vorausgesetzt, dass die Herkunft von dieser Netzseite deutlich herausgestellt wird und erkennbar ist, dass es sich nicht um einen Originalbeitrag für das Publikationsorgan/Netzseite usw. handelt, welches jeweils von der hier erteilten Erlaubnis Gebrauch macht.
Das Risiko einer Verletzung der Rechte anderer trägt der Verwender. Bei Zweifel erbitten wir Rückfrage.
SWG e.V. Der Vorsitzende
Nach oben
|